Das private Bieterverfahren – modern, fair und unaufwendig

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In Nordamerika ist das private Bieterverfahren oft die Methode der Wahl, wenn Immobilien den Besitzer wechseln sollen. Auch in Deutschland verlässt die moderne Verkaufsmethode zunehmend ihre Nischenexistenz. Ist dieses auktionsähnliche Verfahren bisher besonders bei Immobilien mit schwer einschätzbarem Marktwert eine große Hilfe, erweist es sich als ebenso alltagstauglich zum schnellen und unkomplizierten Verkauf klassischer Immobilienobjekte.

Eine Hürde im üblichen Verkaufsprozess besteht häufig in der Festlegung des Wertes einer Immobilie. Wird dieser zu hoch angesetzt, findet sich kein Interessent, liegt er zu niedrig, drohen ungewollte finanzielle Einbußen. Um einen realisierbaren Preis eines Objektes sicher festzustellen, gibt es einen einfachen Weg: Lassen Sie den Markt selbst den Wert bestimmen. Und zwar mittels der Gebote in einem privaten Bieterverfahren.

Dieses Vorgehen ähnelt einer Auktion oder einer Versteigerung, ist aber in einem Punkt entscheidend anders: Am Ende steht die freie Entscheidung des Verkäufers, an wen und zu welchem Preis er seine Immobilie verkaufen möchte. Sollte ihm keines der Gebote zusagen, steht es ihm frei, diese allesamt auszuschlagen. Aber ein privates Bieterverfahren weist aus, welchen Wert die Immobilie am Markt tatsächlich haben kann.

Der Ablauf des Verfahrens ist unkompliziert und kann den Verkauf einer Immobilie erheblich verkürzen. Dies ist interessant, wenn eine Immobilie relativ rasch veräußert werden soll, etwa weil entschieden werden muss, ob eine Erbschaft angenommen wird oder Bankforderungen erfüllt werden müssen.

Das Marketing

Die zu verkaufende Immobilie wird unter dem Hinweis auf das Bieterverfahren in den Immobilienportalen vorgestellt, ein Exposé mit aussagekärftigen Informationen erstellt und mögliche Interessenten kontaktiert. Die Präsentation erfolgt in der Regel ohne preisliche Hinweise, in seltenen Fällen wird jedoch ein Mindestgebot genannt.

Bei einem großen “Online-Immobilienmakler”, der mit dem “innovativen Prozess zur Preisfindung: dem Online-Bieterverfahren” wirbt, läuft der Marketing-Prozess übrigens so ab: Die zu verkaufende Immobilie wird zu einem auffallend günstigen Festpreis in den Immobilienportalen beworben. Aufgrund des niedrigen Angebotspreises können etliche Adressen von Kaufinteressenten gesammelt werden. Diese werden dann nach der Sammelphase darauf hingewiesen, dass sich der Verkäufer nun aufgrund des hohen Zuspruchs für das private Bieterverfahren entschieden hat. Alle Kaufinteressenten werden nun eingeladen, ihr persönliches Gebot abzugeben – zum Teil ohne vorherige Besichtigung.

Von eBay wissen wir, dass Auktionen meist höhere Preise erzielen als Festpreisangebote. Ein niedriger Preis klingt zunächst verlockend und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Man beschäftigt sich dann näher mit der Sache und das Interesse schaukelt sich hoch, weil immer überlegt wird, ob einem die Sache nicht doch mehr wert ist.

Die Besichtigung

Es gibt üblicherweise nur einen einzige Open-House-Besichtigung, zu dem alle Interessenten geladen werden. Die potenziellen Käufer erhalten spätestens jetzt alle notwendigen Objektunterlagen und der Makler steht für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. Mitunter kann zur preislichen Einordnung der Verkehrswert der Immobilie genannt werden. Gegebenenfalls wird ein weiterer Besichtigungstermin mit einer Vorauswahl an Interessenten nötig.

Die Angebotsabgabe

Nach der Besichtigung haben die Interessenten Zeit, sich mit der Abgabe eines Gebotes als Käufer beim Makler zu melden. Diese Frist bis zur Abgabe wird vom Verkäufer in Absprache mit dem Makler festgesetzt. Viele Makler möchten begleitend zu dem Gebot bereits eine Finanzierungszusage von Kreditinstituten oder verlangen einen Nachweis der Bonität.

Die Auswahl

Der Verkäufer sichtet zusammen mit dem Makler die abgegebenen Gebote. Ist keines der Gebote akzeptabel, kann der Verkäufer an dieser Stelle das Verfahren ohne Verkauf abschließen. Meist sind jedoch unter den Offerten eine oder mehrere, deren Preisangaben den Vorstellungen des Verkäufers nahekommen. Mit einem dieser Interessenten werden anschließend die Details verhandelt, welches Gebot zum Zuge kommt, bestimmt wiederum der Verkäufer.

Der Abschluss

Das private Bieterverfahren endet, sofern alle Beteiligten sich über die Konditionen einig sind, mit der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags. Für die Dienstleistung des beteiligten Maklers wird daraufhin eine Provision in Rechnung gestellt.

Fazit: Das Bieterverfahren ist eine lohnenswerte Alternative zum klassischen Immobilienverkauf. Es kann innerhalb kurzer Zeit zum Abschluss gebracht werden und der zeitliche Aufwand ist gegenüber dem klassischen Verfahren, eine Immobilie am Markt zu platzieren, deutlich reduziert.

Zudem ersparen Verkäufer und Makler unnötige und anstrengende Besichtigungstermine. Mit dem privatem Bieterverfahren werden marktgerechte Preise erzielt und die Konkurrenzsituation zwischen den Käufern unterbindet zu niedrige Angebote von Spekulanten oder Schnäppchenjägern.

Die Vorteile des privaten Bieterverfahrens liegen deutlich auf der Hand. Man hat als Makler keine Probleme mit aufwendigen Terminabsprachen, Verspätungen oder sogar Absagen. Dadurch wird die Terminabwicklung sehr effizient.

Ein wichtiger Vorteil zeigt sich auch im Hinblick auf die Akquise

Verkäufer haben oft eine zu hohe Preisvorstellung. Mit dem privaten Bieterverfahren kann der Makler den Verkäufern sehr schnell verdeutlichen, dass ihre preisliche Vorstellung nicht realisierbar ist. In der Regel ist nach spätestens zwei bis drei Monaten klar, ob die Immobilie verkauft werden kann oder nicht.

Für die Verkäufer ist auch entscheidend, dass sie sehen, dass Sie als Makler nicht untätig sind. Sie können dem Verkäufer durch das private Bieterverfahren die Angst nehmen, dass sich die Immobilie über Monate oder sogar Jahre nicht verkauft und dass sein Objekt am Markt verschrien wird. Gleichzeitig zeigen Sie ihm, wie einfach es ist, durch eine gezielte Verknappung den besten Verkaufspreis für die Immobilie zu finden.

 

1 Antwort
  1. Nicolas Vilela
    Nicolas Vilela says:

    Der Immobilienmarkt in Nordamerika unterscheidet sich unter anderem dadurch, dass es nicht die Standards zur Bewertung von Immobilien gibt, wie bei uns. Insofern ist das Bieterverfahren sicher eine gute Wahl.
    Für unseren Markt würde ich aber auf jedenfall mindestens eine Kaufpreiseinschätzung von einem Makler oder Sachverständigen machen lassen. In der Regel ist das dann auch der Verkaufspreis + – 10 %. Verkäufer wollen Grundsätzlich mehr als der Markt hergibt. Deshalb könnten beide Methoden gepaart eine ideale Vorgehensweise sein, um auch den uneinsichtigsten Verkäufer zu überzeugen. Denn schließlich hat ja der Markt entschieden !

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