Einige nützliche Tipps, wie Sie noch bessere Immobilienfotos machen

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Wissenschaftliche Studien belegen, dass wir uns in Sekundenschnelle entscheiden, was wir mögen und was nicht. Diesen ersten Eindruck später zu korrigieren, ist schwer. Besser ist es, gleich die beste Seite zu zeigen. Dies gilt für Menschen wie für Immobilien. 20 Sekunden dauere es, so die Wissenschaftler, sich in ein Haus zu verlieben. Für Immobilienmakler stellt sich also die Aufgabe, ihre Immobilie mit einem guten Foto ins beste Licht zu rücken und diese kurze Zeitspanne optimal zu nutzen. Hier ein paar Tipps, wie es gelingen kann.

Doch bevor Sie den Auslöser Ihrer digitalen Kamera betätigen, ein kleiner Umweg über die entscheidenden Unterschiede zwischen dem, was unsere Augen und das Hirn beim Sehen leisten – und das, was Ihre Kamera und ein Bildbearbeitungsprogramm können.

Lichtanpassung

Unser Hirn kompensiert unterschiedliche Lichtwerte, es hellt gewissermaßen dunkle Bereiche auf und reduziert die Helligkeit, wo sie die Objektwahrnehmung behindert. Dieses komplexe Austarieren kann auch die beste Kamera nicht leisten. Die Schlussfolgerung für den Fotografen ist: Für eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung sorgen und eventuell mit einem (Aufsteck-)Blitz arbeiten. Achten Sie darauf, dass keine zu starken Schatten entstehen, das wirkt schnell unnatürlich.

Detailwahrnehmung

Die Wahrnehmung des Menschen ist selektiv. Was wir für wichtig halten, bemerken wir, was uns unwichtig erscheint, blendet unser Hirn einfach aus. Deshalb finden sich bei Amateuraufnahmen so häufig Mülleimer, Zeitungen oder andere nicht sehr dekorative Gegenstände auf den Fotos und stören den guten Gesamteindruck. Für Fotografen heißt das: Aufräumen und nur das im Bild zeigen, was wirklich wichtig ist.

Ausschnitte

Der Sehwinkel des Menschen liegt bei etwa 160° nach den Seiten, und wenn auch die Randbereiche unscharf sind, so erfasst sie das menschliche Auge doch. Querformate werden deshalb bei Landschaftsbildern und Räumen als angenehmer empfunden. Anders ist es bei einem Fotoapparat. Er ist darauf spezialisiert, Menschen aufzunehmen. Sein Normalobjektiv ist bestens für Porträts geeignet, nicht aber für Räume. Weitwinkelobjektive vergrößern zwar den Bereich, den die Kamera erfasst, aber sie tun es um den Preis räumlicher Verzerrungen, die schnell unnatürlich wirken können. Eine Spiegelreflexkamera mit einem Zoomobjektiv von einer Brennweite von ca. 12 – 24 mm ist ideal, damit zeigen Sie viel Raum, aber vermeiden unschöne Verzerrungen und eine übertriebene Illusion von Weite. Die Folgerung daraus ist: Verwenden Sie ein Weitwinkelobjektiv zum Fotografieren von Häusern, aber übertreiben Sie nicht und machen Sie Aufnahmen im Querformat, wenn möglich.

Balance und einstürzende Bauten

Wenn wir unseren Kopf neigen oder drehen, kompensiert unser Gehirn die Informationen so, dass alle Vertikalen weiterhin Vertikalen bleiben. Sie bilden die Konstanten unserer Raumwahrnehmung. Halten Sie eine Kamera schräg, kippen alle Vertikalen dramatisch nach innen oder außen. Das erweckt den Eindruck, als ob das fotografierte Haus oder der Raum drohen, einzustürzen.

TIPP: Halten Sie die Kamera möglichst schon beim Fotografieren gerade und nutzen Sie eine Leiter oder eine Kiste, um die ideale Fotoposition zu erreichen.

Die Immobilie von außen

Schauen Sie sich das Objekt genau an und finden Sie heraus, was die starke, die schöne Seite des Hauses ist. Das muss nicht unbedingt die Straßenseite sein. Wählen Sie den besten Blick auf die Immobilie und machen Sie mehr als eine Aufnahme. Immobilien, die kein sehr attraktiveres Äußeres haben, fotografieren Sie möglichst in der Abenddämmerung und mit Licht in allen Fenstern, das wirkt anziehend und heimelig. Idealerweise machen Sie an einem Tag mit Sonne und blauem Himmel diese Aufnahmen. Falls Sie Ihre Fotos bereits im Winter gemacht haben, die die Immobile im Schnee und mit kahlen Bäumen zeigen, sollten Sie die Fotos auswechseln, wenn die Bäume anfangen zu blühen. Halten Sie Ihre Fotos immer aktuell, so wirkt die Immobilie, als sei sie gerade auf den Markt gekommen.

Räumen Sie alles weg, was als persönlicher Gegenstand angesehen werden könnte. Räumen Sie Mülltonnen, unansehnliches Gartenmobiliar oder Spielzeuge aus dem Bild und fotografieren Sie von einer erhöhten Position aus, sodass parkende Autos nicht den Blick auf das Haus stören. Sie erzielen mehr räumliche Tiefe, wenn Sie einen attraktiven Gegenstand wie ein schmiedeeisernes Gartentor, einen hübsch gewachsenen Baum oder eine dekorative Statue im Vordergrund abbilden. Achten Sie auf die Ausgewogenheit zwischen Objekt und Umgebung. Die Immobilie sollten Sie möglichst großformatig festhalten, doch wenn das Objekt eine schöne Umgebung besitzt, nehmen Sie einen Teil davon mit auf, denn es gehört zur Qualität des Hauses.

Innenaufnahmen

Räume wirken großzügiger, wenn nicht zu viele Möbel darin stehen. Räumen Sie alles Persönliche weg und auch Dekoration, die nicht zum Raum gehört. Entfernen Sie Möbel, die im vorderen Bereich des Fotos zu sehen und angeschnitten wären.

Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung, fotografieren Sie zur gleichmäßigeren Ausleuchtung mit Blitzlicht, auch am Tage. In den späten Nachmittagsstunden ist der Helligkeitskontrast zwischen Raum und Umgebung nicht ganz so groß, meist gelingen dann gut ausgeleuchtete Aufnahmen. Mit der automatischen Belichtungsfunktion Ihrer Kamera gelingen meist passable Aufnahmen, doch um optimale Ergebnisse zu erzielen, verwenden Sie den Blendenmodus. Verwenden Sie Blende f8 für ausreichende Tiefenschärfe und passen Sie die Verschlusszeiten an. Je nach den gegebenen Lichtverhältnissen kann es erforderlich sein, ein Stativ zu verwenden, da Sie bei dieser Methode mit längeren Verschlusszeiten rechnen müssen. Sie werden den qualitativen Unterschied zu Aufnahmen mit dem Automatikmodus sofort sehen.

Bäder und Toiletten sollten besonders penibel aufgeräumt sein. Kosmetika, Handtücher, Reinigungsmittel oder Toilettenpapiervorräte sollten Sie entfernen und den WC-Deckel herunterklappen. Wenn Sie ein Blitzlicht verwenden, achten Sie auf die Reflexion des Lichtes in glänzenden Kacheln und auch darauf, dass Sie selbst nicht im Spiegel zu sehen sind. Es erfordert etwas Ausprobieren, bis man in einem kleinen Raum den richtigen Blickwinkel gefunden hat, besonders, wenn man kippende Linien vermeiden möchte.

Optimieren mit Bildbearbeitungsprogrammen

Scheuen Sie sich nicht, Ihre Fotos am Rechner nachzubearbeiten, jedes Foto kann noch optimiert werden. Das Programm Photoshop Lightroom ermöglicht Ihnen, gleichzeitig mehrere Fotos im gleichen Stil nachzubearbeiten und organisiert die Arbeitsschritte effizient. Wenn Sie lieber auf eine kostenlose Lösung zurückgreifen möchten, steht Ihnen mit GIMP ein sehr umfangreiches Bildbearbeitungsprogramm zur Verfügung.

Mit Photoshop Lightroom lassen sich Bilder schnell und einfach in einem einheitlichen Stil nachbearbeiten

Mit Photoshop Lightroom lassen sich Bilder schnell und einfach in einem einheitlichen Stil nachbearbeiten

Wählen Sie die besten drei Aufnahmen von der Außenansicht und zwei von jedem Innenraum der Immobile. Auch Kunden sind dankbar, wenn Sie mit Zeit ökonomisch umgehen und ihnen das optimale Maß an Informationen bieten. Wenige und gute Fotos sind erfolgreicher. Zu viele Aufnahmen zeigen möglicherweise Einrichtungsdetails, die für die Kunden nicht interessant oder attraktiv sind.

Korrigieren Sie die Objektivverzerrungen wie kippende Vertikale oder richten Sie geneigte Aufnahmen gerade. Für automatische Objektivkorrekturen eignen sich die mitgelieferten Lösungen der Software-Hersteller gut. Korrigieren Sie die Belichtung und auch die Farbsättigung, machen Sie den Himmel ein wenig freundlicher und das Gras etwas grüner und vor allem korrigieren Sie Farbstiche, Weißes sollte wirklich weiß sein. Aber übertreiben Sie nicht, der Kunde soll nur sehen, was er auch bekommen kann.

Fotos durch einen Profi-Fotografen sind eine gute Investition in die Vermarktung und ein leicht nachvollziehbares Argument für einen Alleinauftrag. Vergessen Sie nicht, neben ansprechenden Fotos auch einen gut lesbaren Grundriss in Ihr Expose aufzunehmen. Dann hat das Haus oder die Wohnung bald einen neuen Besitzer und Sie einen zufriedenen Kunden mehr.

Eine lustige Sammlung skurriler Immobilienfotos finden Sie auf www.terriblerealestateagentphotos.com.

10 replies
  1. Franz
    Franz says:

    Wirklich ein Sehr toller Artikel ist sicherlich ür den ein oder anderen ein guter Tipp dabei, inzwischen bevorzugen wir 3D Rundgänge, was meinen Sie dazu?

    Nochmals vielen Dank für den Tollen Artikel 🙂

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  2. Frank D.
    Frank D. says:

    Ein toller Artikel mit sehr viel nützlichen Tipps, prima danke, gern weiter Infos zu diesem Thema.

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  3. Boris
    Boris says:

    Vielen Dank für diese nützlichen Tipps. Gute Immobilien Fotos sind immer sehr wichtig. Eine ansprechende Präsentation ist das A und O beim Verkaufen.

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  4. Jim
    Jim says:

    Zunächst einmal ist natürlich die Kamera entscheidend….ich sehe leider immer wieder Fotos die mit keinem oder nur mit einem mäßigen Weitwinkel aufgenommen wurden. Ich finde es schon wichtig, dass die Räumlichkeiten so aufgenommen werden wie sie auch tatsächlich sind. Das menschliche Auge kann natürlich nicht durch eine noch so gute Kameralinse ersetzt werden, aber es sollte auch nicht den Eindruck erwecken als wäre die Immobilie nur aufgrund von schlechten Aufnahmen sehr klein geraten.

    Zum anderen sollten die Bilder auch bei ausreichendem Tageslicht aufgenommen werden die auch ohne Blitz gut aussehen…andernfalls sucht man sich ganz einfach ein lichtstarkes Objektiv (weit unter 2.0) dann sind auch gute Fotos bei sehr schlechten Lichtverhältnissen möglich.

    Man muss sich einfach auch bewusst sein, dass man erstklassige Fotos nicht mit einer mittelprächtigen Kamera oder gar mit einem Highend-Smartphone erzeugen kann. Das Geld sollte es einem schon wert sein.

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    • Holger Slaghuis
      Holger Slaghuis says:

      Das mit der Lichtstärke ist so eine Sache. Durch die Nutzung von großen Blenden wird die Tiefenschärfe auch bei Weitwinkelobjektiven zu gering. Besser ist es wie vom Autor vorgeschlagen eine kleine Blende zu nehmen. Auch aus diesem Grund sollte die Kamera auf einem Stativ stehen. Besondere Beachtung verlangen übrigens die großen Kontrastunterschiede zwischen dem Ausblick aus den Fenstern und dem Innenraum.Hier können auch moderne Kameras weitaus weniger als das menschliche Auge.

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  5. Daniel
    Daniel says:

    Vielen Dank für die tollen Tipps und Tricks. Gute Immobilienfotos sind immer sehr wichtig. Sie sind das Aushängeschild beim Verkauf der Immobilie.
    Mit besten Grüßen,
    Daniel

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  1. […] Architekturfotografie, und um nichts anderes handelt es sich bei dem Fotografieren von Immobilien, gehört zu den anspruchsvollsten Gebieten in der Fotografie. Bei der Architekturfotografie kommt […]

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